Luftdruck in den Reifen
von Oliver Corpus, cx-racing.com

Der Luftdruck in den Reifen ist ein wichtiger Aspekt, den man keinesfalls vernachlässigen sollte und auch nicht darf.
Schlauchreifen haben große Vorteile, da sie durch das geschlossene System und die Felge ohne Horn so gut wie keine Durchschläge (Snake Bites) kennen.

Was nun der optimale Druck im Reifen für den einzelnen ist, läßt sich schwer sagen. Hier kann man nur Richtwerte aus der Erfahrung angeben. Aber das sollte ein jeder selbst versuchen und für gut befinden ob er damit zurecht kommt.
Ein Grundsatz ist, immer zu versuchen, mit so wenig Luft wie möglich fahren zu können. Nützlich ist es dabei, den Reifen vor Besichtigung einer Rennstrecke mit einem etwas höheren Druck aufzupumpen, um sich dann bei der Fahrt im Gelände, nach und nach durch Herauslassen der Luft an das Optimum heran zu tasten.
Bei Schlauchreifen empfehle ich mit 2,5 - 2,8 bar zu beginnen. Das reicht in der Regel auch schon für die "schwereren" Fahrer.
Im Gelände merkt man dann sehr schnell, ob Grip fehlt oder ob die Schläge vom Boden ausgehend zu hart sind.

Hier ist dann folgendermaßen vorzugehen.
Kurz vom Rad runter, Ventil öffnen und mit einem kleinen Fingertippser auf das Ventil, etwas druck ablassen. Wieder aufs Rad und gucken obs besser läuft. Das gilt für vorne und hinten. Wobei man vorne etwas weniger Luft fahren kann, da ja dort weniger Gewicht lastet vom Fahrer. Weniger Luft heißt bei Crossreifen , daß sich das ganze im 0,.. bar Bereich abspielt. Man kann fast nicht glauben was 0,1 - 0,2 bar weniger in einem Reifen für Unterschiede in der Traktion oder Dämpfung bedeuten können!
Viele erfahrene Crosser und Profis haben deshalb auch elektrische Pumpen mit Digitalanzeige mit dabei , um das ganz genau bestimmen zu können.

Wenn man Räder der Profis mal begutachten kann, hält man es fast nicht für möglich, wie wenig Luft dort in den Reifen ist. Eine Faustregel die man schnell anwenden kann, ist, mit dem Daumen fest auf den Reifen dücken....wenn noch etwas "Luftkissen" zur Felge ist, man also nicht ganz bis zur Felge durchdrücken kann, hat man schon so +/- den richtigen Druck. Das ganze ist natürlich etwas abhängig vom jeweiligen Gelände und der Beschaffenheit der Strecke. Bei trockenen oder gefrorenen Böden fährt man mit realtiv wenig Luft um die vom Boden ausgehenden Schläge besser zu verdauen. Dadurch "klebt" das Rad besser am Boden und man ist somit auch schneller;-) Ein ständig springendes Rad ist nicht förderlich für die Geschwindigkeit und tötet auch zu guter Letzt den Nerv, weil das "Gerüttel" doch recht heftig werden kann. Zudem ist die Rutschgefahr in Kurven und die damit verbundene Sturzgefahr, egal ob auf trockenem oder gefrorenem Boden, mit zuviel Luft in den Reifen wesentlich höher. Weniger Luft im Reifen vergrößert die Auflagefläche des Reifens am Boden und verbessert somit auch die Haftung!

Für den Anfänger hört sich das jetzt schier unglaublich an, da man ja vom Straßenrennfahren, immer die Richtlinie im Ohr hat "höherer Druck...weniger Reibung...schnelleres fahren...." Im Gelände aber, kann man das getrost vergessen. Hier empfehle ich jedem, daß selbst auszubrobieren auf seiner Hausstrecke. Man wird sehr schnell merken, daß der maximal möglich geringe Druck das Fortkommen wesentlich verbessert. Für das Training empfehle ich allerdings mit etwas mehr Luft zu fahren, um "nervöseres" Fahren zu provozieren und um somit die Verbesserung der eigenen Fahrtechnik zu steigern.

Für Falt- oder Drahtreifen muß man aber, wegen der höheren Durchschlagsgefahr, etwas mehr Luft in den Reifen fahren. Allerdings kann man auch mit Reifen wie dem Open Grifo von Challenge Drücke von um die 2,3-2,5 bar fahren, bevor es dann kritisch wird mit den Durchschlägen. Versuch macht klug, sagt man so schön.... Also testen im Training um für das nächste Rennen besser vorbereitet zu sein. Viel probieren, schafft auch viel Erfahrung und hilft letztlich enorm weiter.

Man muss auch sagen, daß man mit breiteren Reifen mit weniger Luft fahren kann als mit schmaleren Reifen. Meine Empfehlungen beziehen sich auf die mittlerweile Standardbreite von 32mm, in der sich der größte Teil der Reifenbewegt und auch meist in Wettbewerben eingesetzt sind.

Oliver Corpus
www.occp.de